Maria Austria

Eine Amsterdamer Fotografin des Neorealismus

von Torsten Neuendorff  

 

Maria hätte auch mehrere andere Nachnamen haben können: die ihrer Ehemänner Bial (ein deutscher Geschäftsmann) oder Jonker (ein holländischer Linker), ihren  Mädchennamen Östereicher oder ihren Namen aus der Untergrundzeit Huijnen. Sie wählte aber den einen Künstlernamen: Austria. Zentral für ihre Fotografie sind die Jahre in Amsterdam nach Ende der deutschen Besetzung. Zu diesem Zeitpunkt ist sie dreißig Jahre alt und kann auf eine Reihe Entscheidungen zurückblicken. Sie hat Amsterdam gewählt und das kleine Karlsbad verlassen, damals östereichisch und sie als Arzttochter etabliert. Sie hatte bereits recht jung ein Geschäft eröffnet, in der Absicht, als Frau selbständig Geld zu verdienen. Ihre Entscheidung, sich nicht als  Jüdin  erfassen zu lassen, war die gravierendste Weichenstellung. Viele niederländische Juden wurden nach den Meldelisten in Vernichtungslager gebracht, so ihr Bruder Felix und ihre Mutter. Maria Austria wählte den Untergrund und den Widerstand und so war sie zum Kriegsende noch am Leben. Sie begleitete fotografisch die Niederlande nach der Befreiung, ein kleines Land, das sich politisch liberal und progressiv entwickelte. Ihre Agentur mit mehreren anderen Fotografen nannte Austria 'Particam Pictures' Partisanen-Kamera. Sie wird eine bedeutende niederländische Fotografin und wer nach der Ausstellung weiterrecherchiert, trifft auf packende und optimistische Fotografien, die Geschichte dicht heranzuholen vermögen. (tn)  Verborgenes Museum  bis  10. März

 

Foto: Leben im Untergrund © Maria Austria

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