Berlin 18/19 und Bilder einer Revolution

Novemberrevolution

von Torsten Neuendorff  
Stadtmuseum und 'Museum für Fotografie' zeigen die größten Ausstellungen zur Novemberrevolution. Zum Jubiläum gibt es noch mehrere weitere in den Bezirken. Ist historische Fotografie im positivien Sinne nutzbar gemacht? In einer Stadt wie Berlin will man hoffen, das Interesse an der geschichtlichen Situation und die Dynamik der damaligen Entwicklung sind da. Neue Bezüge und besseres Verständnis werden gesucht.
Im 'Märkischen Museum' wird die Revolution quasi auf Problem-Felder heruntergebrochen. Das sind beispielsweise gleich am Anfang die Kräfteverhältnisse im Parlament oder die Gleichzeitigkeit der Ereignisse am 9. November. Die Kuratoren sagen, sie erforschten die Revolution in unterschiedlichen Milieus. 
Im Museum für Fotografie wird eine chronologische Ordnung mit Stichpunkten angeboten, wahrscheinlich als Hilfestellung gemeint, historisch aber heikel.
Das 'Märkische Museum' lässt auf digitalen Displays Fotos aufblättern. Im 'Museum für Fotografie' gibt's Lupen für Details, weil viele Aufnahmen Postkartenformat haben. Im Kreuzberg-Museum beispielsweise läuft man auf einem Stadtplan und bekommt die Fotos auf's Handy.
Beide Ausstellungen überlassen es den BesucherInnen, das Potential der Fotografien auszuschöpfen. Was ist das Schlüsselbild der Revolution? Wo ist der Unterschied zwischen historischer Verwendung und Bild-Inhalt am größten?
Anders ausgedrückt, im Museum für Fotografie hat man den Eindruck, es ist eine Recherche in den Bildtiteln, die der Ausstelung zugrunde liegt. Im Märkischen Museum hängt der Zwiespalt zwischen Revolutionstheorie und Wirklichkeit in der Luft. Dass psychologisch und politisch nicht mehr drin war, an der Novemberrevolution liegt's eher nicht. (tn)  Märkisches Museum bis  9. Mai und  Museum für Fotografie  bis  3. März

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Foto: Soldaten Unter den Linden Ecke Charlottenstraße, Nov. 1918 © Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek – Photothek Willy Römer / Gebrüder Haeckel

 

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